60 Sekunden

Vorhin saß ich eine geschlagene halbe Stunde an meinem Schreibtisch und konnte nicht aufhören, zu weinen. Ich konnte es einfach nicht. Nein, mein Freund hat nicht mit mir Schluss gemacht. Nein, mein nicht vorhandener künstlicher Nagel ist nicht abgebrochen. Und nein, mir tut nichts weh. Außer vielleicht- und auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt melodramatisch klinge- mein Herz, dass sich schreiend selbst zerreißt.

Zurzeit geht im Internet ein Video herum, indem die schlimmsten Szene von Tierquälerei aufgezeigt werden (es geht speziell um Pelz). Ich werde aus offensichtlichen Gründen hier nicht wiedergeben, was alles gezeigt worden ist- es sei jedem selbst überlassen, sich dieses Video anzugucken (der Link ist weiter unten angegeben). Hand aufs Herz- ich habe ja schon so einiges gesehen und selbstverständlich ,,weiß” man im Grunde, was bei der Züchtung und ,,Haltung” von Pelztieren passiert- aber das, was dort gezeigt worden ist, hat mir einfach den Rest gegeben.

Völlig aufgelöst startete ich einen Videoanruf mit meinem Freund, um mich von ihm beruhigen zu lassen, weil ich nach wie vor Rotz und Wasser produzierte und fing an, mit ihm über die Gründe solcher Zustände zu diskutieren.

Warum solche Tiere gezüchtet werden, ist uns allen klar- sogenannte ,,Schönheitsideale” und Statussymbole wie eben besagter Pelz sind in unserer heutigen Welt leider immer häufiger anzutreffen. An dieser Stelle möchte ich auch gleich beichten, dass ich selbst Sachen mit Pelz besitze, die ich geschenkt bekommen habe. Aber sollte ich jemals in einem Laden stehen, und vor mir hinge etwas aus Pelz, würde ich schreiend das Weite suchen.

Zurück zum Thema- die Züchtung von Pelztieren bringt den Menschen, die sich damit beschäftigen, Geld ein. Keine Frage. Soweit klar. Jedoch, wer sind diejenigen, die daran verdienen? Mit Sicherheit nicht die Kreaturen, die sich für die Sache die Hände schmutzig machen. Und damit wären wir beim entscheidenden Punkt- dass sie Tiere in engen Käfigen halten und töten, ist für dich Sache ,,notwendig” (An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass das alles rein objektive Überlegungen sind, ich die Taten NICHT befürworte, falls der Eindruck aufkam)- aber Tiere mit Absicht zu treten, hilflose Geschöpfe, die bereits am Boden liegen, böswillig quälen, statt sie einfach zu töten… Das ist der Aspekt des Videos, der mich am meisten aufgebracht hat.

Ich kam nicht mal dazu, mich ,,Warum” zu fragen, so geschockt war ich. Diese Bösartigkeit, armen Wesen gegenüber, die absolut nicht verdienen, was man ihnen da antut, hat mich zutiefst zerrüttet. Was geht diesen Menschen im Kopf herum? Was sind das für kranke Menschen, die sowas aufnehmen? (Ich bin überzeugt davon, dass nicht alle diese Videoausschnitte von Vertretern der PETA etc. aufgenommen worden sind, denn wenn man solche Kreaturen sieht, kann man nicht ruhig daneben stehen, sondern würde ihnen am liebsten Arme und Beine abhaken.)

Daraufhin kamen wir auf das Thema Traumata zu sprechen. Bestes Beispiel: viele Kinder, die von einem Hund gebissen werden, schieben ihr Leben lang Hass auf diese Tiere. Meine Meinung dazu: kriegt euch wieder ein. Verständlich, dass solche Momente mit extremen negativen Gefühlen verbunden werden und diese später Angstzustände auslösen, wegen denen man irgendwann den Psychologen aufsucht. Doch letztendlich sagt der Arzt uns nichts, was wir nicht bereits wüssten, sondern leitet uns mit gezielten Fragen zur selbstständigen Lösung des Problems, sodass man irgendwann über seine Ängste hinwegkommt und ganz rational über die Situation nachdenkt. Denn dann würde man vielleicht darauf kommen, dass das Tier möglicherweise in dem Moment aus Angst gehandelt hat. Oder darauf, dass nicht alle Hunde so sind, man entsprechend nicht vor allen Panik schieben sollte. Und um das ganze wieder zurück zum Thema zu führen- ganz gleich, was diesen Menschen möglicherweise passiert ist- was sie den Tieren da antun, ist mit nichts, mit absolut gar nichts zu entschuldigen. Wozu hat der Mensch denn Verstand?

Nachdem diese Frage also geklärt war, warf mein Freund eine Überlegung ein, die sich nicht auf die böswillige und ,,unnötige” Quälerei bezog, sondern auf die Pelzherstellung in solchen Ländern generell. Er warf ein, dass die Arbeiter möglicherweise gar keine andere Wahl haben, um ihre Familien zu ernähren. Worauf wir auf das Thema Reichtum eines Landes kamen, Sozialsysteme und alles, was dazugehört.

Die Kenner in diesen Bereichen bitte ich, mich zu entschuldigen, falls eine meiner folgenden Aussagen und Meinungen möglicherweise nicht den realen Verhältnissen entspricht. Ich rede hier als Laie und selbstverständlich darf mir jeder widersprechen, der sich besser auskennt. Ich lerne gerne dazu.

Es kam also nun die Frage auf: Zwischen wem entscheidet man sich? Dem hungernden Sohn oder dem Hund im Käfig? Selbstverständlich würde jeder zuerst an seine Familie denken. Ist ja auch verständlich. Also muss man in größeren Maßstäben denken, um diese Frage zu klären. Welche Rolle spielt der Staat, das System eines Landes? Wie kann man verhindern, dass Menschen in eine derartige Notsituation geraten, dass sie gezwungen werden, solche Tätigkeiten auszuführen? Daraufhin kamen wir auf Deutschland zu sprechen und auf das allseits bekannte und polarisierende Thema Hartz 4. Sünde oder Segen?

Die Fragen solcher Themen kann man nie eindeutig beantworten. Einerseits hebt es das Niveau des Landes, die Menschen kriegen ein Minimum zugeteilt, mit dem sich irgendwie doch leben lässt und geraten nicht in solch verzweifelnde Situationen wie Menschen in Dritte-Welt-Ländern. Andererseits gibt es selbstverständlich viele, die dieses System ausnutzen und sich auf Kosten der Steuerzahler durchfüttern lassen. Meine Meinung dazu: Wenn ich durch meine Steuerbeiträge verhindern kann, dass Menschen zu so etwas gezwungen werden, zahle ich gerne!

Fakt ist: Natürlich gibt es Menschen/Familien, die durch Krankheiten nicht in der Lage sind, Geld zu verdienen. Denen gebe ich meine Steuern gerne. Aber was zu tun mit den Schmarotzern, die aus Faulheit Jobs ablehnen, um sich gemütlich auf ihren Arsch zu setzen und weiterhin Hartz 4 zu empfangen? Warum arbeiten, wenn man auch so durchkommt?

Ist die Senkung der Hartz 4 Beiträge eine Lösung, sodass es eben nicht zum Dauerzustand mutiert? Würde das die Menschen zwingen, sich eher einen Job zu suchen? ( Und versteht sich, einen, der NICHT mit Tierquälerei zu tun hat!) Mein Freund warf ein, dass eine Senkung der Beiträge gerade bei Familien zu keiner Lösung führen würde, eher gegenteilig. Nicht die Eltern würden leiden, sondern die Kinder. Die Kinder, die möglicherweise nichts mehr zu essen bekommen, weil das Geld nur noch für Zigaretten und Alkohol reicht. Denn mal ehrlich- Sendungen wie ,,Mitten im Leben” etc. sind oft leider bittere Realität. Das System der Essenmarken wieder einführen? Und dasselbe mit Schulmaterial machen? Meiner Meinung nach gar keine schlechte Idee.

Familien dürfen also notfalls weiterhin Hartz 4 beziehen. Faulen Säcken sollten die Mittel nach und nach entzogen werden. Und schon stößt man auf das nächste Problem- woher Arbeitsplätze nehmen? Das ist ein Thema, bei dem ich wirklich sehr wenig Ahnung habe und mir dementsprechend auch kein Urteil anmaßen möchte.

 

Unser nächstes Thema, bzw. die nächste Frage war, wieso es denn Menschen gibt, die offensichtlich arbeiten können, es aber nicht wollen (mal angenommen, sie haben vom Arbeitsamt überrachenderweise eine Stelle angeboten bekommen). Sind sie zu faul? Möglicherweise. ,,Vielleicht können sie nicht den Beruf ausüben, den sie gerne hätten”, warf mein Freund ein. Ebenfalls eine Erklärung. Woraufhin wir uns also auf die Überlegungen stürzten, warum denn nicht alle die Qualifikation für den Job haben, den sie gerne ausüben wollen. Und hier muss ich mal ehrlich sagen, dass der Staat in der Hinsicht hervorragende Arbeit leistet. Denn jeder, der heutzutage lernen will, kann das auch. Jeder kann Abitur machen (Bücher müssen heutzutage auch nicht mehr gekauft werden; zu meiner Schulzeit bekamen wir alles von der Schule ausgeliehen), eine Ausbildung starten- auch studieren ist heute nicht mehr Sache der Elite. Man muss nur die nötige Disziplin dafür aufbringen.

Zurück zum Thema soziales System in Deutschland. Philipp meint dazu, dass sich das System irgendwann selbst abschafft, dass es auf Dauer nicht tragbar ist. Und das merkt heutzutage jeder. Meine Mutter kam neulich nach dem Einkauf nach Hause und war schockiert darüber, dass fast alle Lebensmittel um knapp 30 Cent teurer geworden sind.

Mit Sicherheit, kein System ist perfekt. Doch das Streben danach ist vorhanden und in der Hinsicht befürworte ich viele Entscheidungen der deutschen Regierung. Gerade, was das Thema Bildung angeht (um später einen gehobenen Beruf ausüben  und mehr Steuern zahlen zu können). Wie bereits oben erwähnt, bin ich der Ansicht, dass im Grunde jeder ein Grundmaß an Bildung genießen darf. Und letztendlich gehört Deutschland in Hinsicht auf BIP pro Kopf zu den Top 20, soviel falsch machen tun wir also scheinbar nicht (43.952 $ im Jahr 2013, Quelle: Wikipedia).

Zum Abschluss möchte ich sagen, dass man sich, egal über welches Thema, vermutlich nie ein eindeutiges Urteil bilden kann. Aber letztendlich war es doch eine interessante Diskussion. Und hat mich fast das Video vergessen lassen.

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